Weihnachten ist in der Gassenküche ganz weit weg, Lui Eigenmann TG-Nachrichten, Dezember 2015

Veröffentlicht am 24. Dez. 2015 von

Ob­wohl der 25. De­zem­ber kein Mitt­woch ist, öff­net die Gas­sen­kü­che in die­sem Jahr seine Tü­ren. An Weih­nach­ten selbst
ist für viele der Gäste aber den­noch nicht zu denken.

Frau­en­feld Weih­nachts­schmuck auf den Ti­schen oder an den Fens­tern sucht man in der Frau­en­fel­der Gas­sen­kü­che auch acht Tage vor Hei­lig­abend ver­ge­bens. Ein­zig ein paar Tee­lich­ter auf den Ti­schen strah­len ein we­nig Wärme aus. Mehr sei nicht ge­wünscht, klärt San­dra Kern, Lei­te­rin der Gas­sen­kü­che, auf: «Viele mei­ner Gäste ha­ben keine gu­ten Er­in­ne­run­gen an die Weih­nachts­zeit oder ver­mis­sen ei­nen An­ge­hö­ri­gen. Wir vom Gassenküchen-Team ha­ben darum be­schlos­sen, dass Weih­nach­ten draus­sen blei­ben muss.»

Eine grosse Fa­mi­lie
Ver­misst wird das La­metta auch am Stamm­tisch nicht, da sit­zen am ver­gan­ge­nen Mitt­woch Jo­landa, Agnes, Marco und Bruno ge­rade beim Mit­tag­es­sen. Es gibt Reis mit Pou­let und Erb­sen, dazu eine Brot­suppe und Sa­lat. Die Stim­mung ist gut bei der Vie­rer­gruppe. Der Mitt­woch sei der schönste Tag der Wo­che, so Jo­landa nach­denk­lich: «Für mich sind San­dra Kern und ihr Team En­gel. Wir alle dür­fen hier Wo­che für Wo­che, wie in ei­ner gros­sen Fa­mi­lie ein paar schöne Stun­den ver­brin­gen, da­bei wer­den wir auch noch be­dient wie in ei­nem Re­stau­rant. So et­was gibt es wohl nur in Frau­en­feld.
» Das kleine Grüpp­chen am Stamm­tisch ist eine ein­ge­schwo­rene Truppe, man ist über die Jahre zu Freun­den ge­wor­den, küm­mert sich um­ein­an­der und trifft sich auch ein­mal zum Spiel­nach­mit­tag bei Agnes im 7. Stock. Alle sind sie be­reits
seit meh­re­ren Jah­ren Gäste in der Gas­sen­kü­che und alle ha­ben sie eine schwie­rige Ge­schichte. Agnes, die beste Freun­din von Jo­landa, macht dar­aus kei­nen Hehl: «Ich lebe am Exis­tenz­mi­ni­mum, da bin ich na­tür­lich froh, wenn ich ein­mal in
der Wo­che für nur 3 Fran­ken ein Menü be­komme.» Die auf­ge­stellte Dame mit der sil­ber­far­be­nen Brille auf der Nase ist meist als erste in der Gas­sen­kü­che, oft bringt sie et­was selbst ge­mach­tes mit, so auch an die­sem Mitt­woch. In kleine Gläs­chen hat sie fri­sche Quit­ten­kon­fi­türe abgefüllt.

Viele An­mel­dun­gen für den Weih­nachts­tag
In die­sem Jahr be­ginnt San­dra Kern mit ei­ner neuen Tra­di­tion. Sie öff­net zu­sam­men mit ih­rem Team die Gas­sen­kü­che an Weih­nach­ten. «Viele Gäste sind an Weih­nach­ten al­leine, da­mit ih­nen nicht die De­cke auf den Kopf fällt, be­rei­ten wir
ein Fest­mahl zu», so die Lei­te­rin der Gas­sen­kü­che. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch konnte man sich erst­mals für die­sen Tag an­mel­den. Die Ta­lons, die auf den Ti­schen be­reit la­gen, füll­ten sich schnell. 50 wer­den si­cher kom­men, schätzt Kern.
Mit da­bei sein wird auch Bruno vom Stamm­tisch, er hat sei­nen Na­men gleich ein­ge­tra­gen, auch wenn zu die­sem ho­hen Fei­er­tag in der Gas­sen­kü­che nicht de­kor­tiert wird.

16 aus­ge­setzte Hüh­ner wer­den zum Fest­mahl
Vor we­ni­gen Wo­chen setzte ein 23–jähriger Schwei­zer in Hap­pers­wil 150 Mast­hüh­ner aus. Bei den Tie­ren han­delte es sich um so­ge­nannte Mast­pou­lets. Eine Schlach­tung war auf­grund der Ge­ne­tik, die Tiere müs­sen in­ner­halb von fünf Wo­chen die
Schlachtreife er­rei­chen, un­ver­meid­bar. Krank wa­ren die Tiere nicht. Nun lan­den 16 der Hüh­ner am 25. De­zem­ber auf den Tel­lern der Gas­sen­kü­che und wer­den zum Fest­mahl. Auf die Idee kam das Ve­te­ri­när­amt, wel­ches di­rekt bei der Gas­sen­kü­che anfragte.


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