Thurgauer Nachrichten:
Eine Gassenküche für Frauenfeld

Veröffentlicht am 31. Aug. 2010 von

In Frau­en­feld öff­net Ende Ok­to­ber die erste Gas­sen­kü­che im Kan­ton Thur­gau ihre Tü­ren
Die mo­nat­li­chen Bei­träge, die So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ger von so­zia­len Diens­ten be­kom men, rei­chen nur knapp für de­ren Le­bens­un­ter­halt. Ein Mit­tag­es­sen in ei­nem Re­stau­rant liegt für diese Mit men­schen in wei­ter ferne.

Kos­tet doch ein Mit­tag­es­sen in ei­nem Re­stau­rant ei­nes Gross­ver tei­lers in Frau­en­feld, wie zum Bei spiel Mi­gros oder Coop zwi­schen 10.50 Fran­ken und 17.50 Fran ken, was ein all­täg­li­cher Be­such aus Kos­ten­grün­den ver­un­mög­licht. Für ei­nen Dö­ner oder ein Menü bei Mc Do­nalds zahlt man zwar meist we­ni­ger, ma­chen diese Mahl­zei­ten je­doch meist auf die Dauer nicht satt.

Be­son­ders junge Er­wach­sene und Al­lein­ste­hende Für­sor­ge­emp­fän­ger ko­chen sel­ten für sich sel­ber, weil ih­nen die Sicht und die Lust da­für feh­len. Zu­dem ma­chen sie er­fah rungs­ge­mäss eher we­nig Ge­dan ken über das Es­sen und die Wich­tigkeit darum. «Ein Ort zu schaf fen, an dem für we­nig Geld sätti gend und ge­sund ge­ges­sen wer­den kann, ist darum ein Be­dürf­nis», er klärt uns die Haupt­ver­ant­wortli che San­dra Kern. «Da das Pro­jekt Gas­sen­kü­che Frau­en­feld in sei­ner Art und Weise und mit sei­nen aus ser­or­dent­lich güns­ti­gen Prei­sen im Kan­ton Thur­gau ein­zig­ar­tig ist, füllt es eine enorm wich­tige Markt lü­cke », wie uns San­dra Kern wei ter erklärt.


Sitz an der Gra­ben­strasse 12
Wäh­rend ei­nes Prak­ti­kums bei der Stif­tung Wet­ter­baum in Frau­en­feld letz­ten Jah­res fiel San­dra Kern das Ess­ver­hal­ten der Mit­ar­bei­ter auf. «Ich be­ob­ach­tete, dass ei­nige Für­sorgeempfänger des­we­gen entwe­der fett­lei­big oder ma­ger wa­ren», be­rich­tet sie uns.
An­ge­trie­ben durch diese Er­fah­rung ent­schliesst sich San­dra Kern das Pro­blem an­zu­ge­hen: «Ich er­stellte im Ja­nuar ein Kon­zept nach­dem ich vor­ge­hen wollte. Das Rüstwerk­zeug da­für habe ich mir durch ein Stu­dium in den letz­ten Jah­ren an­geeignet ». Schon nach kur­zer Zeit stiess sie so­wohl bei den so­zia­len Diens­ten so­wie auch bei der Stadt Frau­en­feld auf Be­geis­te­rung. «Die Idee ei­ner Gas­sen­kü­che stiess auf of­fene Oh­ren. Nach­dem ich mit dem JUTG (Ver­ein zur För­de­rung der Ju­gend­ar­beit Thur­gau) ei­nen op­ti­ma­len Part­ner ge­fun­den habe, der mir nebst der In­fra­struk­tur an der Gra­ben­strasse 12 auch die Rechts­grund­lage an­bie­ten konnte, stand dem Vor­ha­ben nichts mehr im Weg».

Ein neun­köp­fi­ges Team
Das Pro­jekt­team der Gas­sen­kü­che Frau­en­feld be­steht nebst ih­rer Lei­terin, aus sie­ben Frauen und ei­nem Mann aus dem Um­feld von San­dra Kern. Alle Pro­jekt­mit­ar­bei­ter brin­gen Er­fah­run­gen im Be­rech­nen der Le­bens­mit­tel für meh­rere Per­sonen und Ko­chen an Grossanläs­sen mit. Das

Angebot
Vor­läu­fig wird in der Gas­sen­kü­che Frau­en­feld an der Gra­ben­strasse an ei­nem Tag in der Wo­che eine warme Mahl­zeit an­ge­bo­ten. Für die Teil­nahme müs­sen sich die Gäste nicht an­mel­den son­dern kön­nen spon­tan vor­bei schauen.

Für ein Mit­tag­es­sen in­klu­sive Suppe, Sa­lat und Ge­tränk bezah­len Gäste ab 16 Jah­ren drei Fran­ken. Für Kin­der von sie­ben bis 16 Jah­ren kos­tet die Mahl­zeit ei­nen Fran­ken, bis zum sieb­ten Lebens­jahr ist der Kon­sum kos­ten­los. Me­nüüberschüsse kön­nen, unentgelt­lich mit nach Hause ge­nom­men 

werden.

Das Pro­jekt­team ar­bei­tet un­ent­gelt­lich
Die Fi­nan­zie­rung der Küchenuten­silien und wei­te­rem Ma­te­rial wer­den vom Pro­jekt und von JUTG ge­meinsam ge­tra­gen. Das Projekt­team ar­bei­tet zu­dem unentgelt­lich. Die Le­bens­mit­tel be­zieht die Gas­sen­kü­che Frau­en­feld von ver­schiedenen Stel­len, ge­stützt durch die vie­len ge­schätz­ten Gön­ner und Sponsoren.

Ende Ok­to­ber geht es los
Wann die Gas­sen­kü­che ihre Tore im Zen­trum von Frau­en­feld ge­nau öff­nen wird, steht noch nicht si­cher fest. San­dra Kern ver­weist auf ihre Kick­Off­Sit­zung am 7. Sep­tember. «Da wer­den wir die letz­ten Ent­schei­dun­gen tref­fen». Auch mit den Er­war­tun­gen ist man vorsich­tig: «Die Kü­che hat Po­ten­zial für 40 bis 50 Per­so­nen, wir rech­nen aber zu An­fang ein­mal mit 10 bis 15 Per­sonen, dass würde uns schon rie­sig freuen». Zu­dem hat man auch schon wei­tere Pläne geschmie­det: «Wir wün­schen uns, dass wir an den Fei­er­ta­gen auch für un­sere Kund­schaft öff­nen kön­nen um die Feste ge­mein­sam zu fei­ern». San­dra Kern be­tont zum Ab­schluss un­se­res Ge­sprä­ches, dass alle will­kommen sind so­wohl Fa­mi­lien wie auch Al­lein­ste­hende.
(von Lui Ei­gen­mann, 31. Au­gust 2010, Thur­gauer Nach­rich­ten )

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