Herzlich willkommen am 25. Dezember 2017!

Veröffentlicht am 30. Nov. 2017 von

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«Weih­nach­ten ist eine schwie­rige Zeit»

TG-Nachrichten, 30.11.2017

Wäh­rend Weih­nach­ten in den meis­ten Haus­hal­ten hei­lig ist, hat sich die Grün­de­rin der Gas­sen­kü­che, San­dra Kern, ent­schie­den, am 25. kein Fest in ih­rem Re­stau­rant zu ver­an­stal­ten. Und zwar aus ei­nem ganz be­stimm­ten Grund.

Frau­en­feld Ge­schmückte Tan­nen­bäume, Guetzli, Ge­schenke: Für die meis­ten Fa­mi­lien in der Schweiz ist der 25. De­zem­ber der wich­tigste Tag des Jah­res. Das Fest der Liebe. Doch was, wenn man keine Fa­mi­lie hat? Nie­mand da ist, mit dem man fei­ern kann? Wie se­hen Per­so­nen die­sen Tag, die nicht so viel ha­ben, wie an­dere? Wir ha­ben bei San­dra Kern, Grün­de­rin der Gas­sen­kü­che Frau­en­feld, nach­ge­fragt. Und eine über­ra­schende so­wie et­was trau­rige Ant­wort er­hal­ten: «Weih­nach­ten fin­det in der Gas­sen­kü­che nicht statt.»

«Viele sind froh, wenn der 25. vor­bei ist»

An Weih­nach­ten trau­rig zu sein, ist für den durch­schnitt­li­chen Schwei­zer un­denk­bar. Laut der Met­ten­dor­fe­rin kön­nen sich aber längst nicht alle über den ho­hen Fei­er­tag freuen: «Viele mei­ner Gäste ha­ben keine Fa­mi­lie. Aus die­sem Grund löst Weih­nach­ten in ih­nen oft ein Ge­fühl von Trau­rig­keit aus. Sich an Weih­nach­ten ein­sam zu füh­len, ist nicht schön.» Über­all wird der 25. De­zem­ber als Fa­mi­li­en­fest dar­ge­stellt. Für Men­schen, die am Exis­tenz­mi­ni­mum le­ben, sei das schwer mit an­zu­se­hen, so Kern wei­ter. Aus die­sem Grund hat sich Kern für den 25. De­zem­ber nichts Be­son­de­res ein­fal­len las­sen. Schlicht, aber mit Herz, lau­tet die De­vise. So wie an je­dem an­de­ren Tag in der Gas­sen­kü­che auch. «Ich habe schon vor Jah­ren da­mit auf­ge­hört, das Re­stau­rant weih­nächt­lich zu schmü­cken. Ich will meine Gäste nicht an den Fei­er­tag er­in­nern, das würde sie nur trau­rig stim­men.» De­ko­rie­ren werde sie ein­fach und fröh­lich. So wie im­mer eben. Denn: Ihre Gäste seien je­weils froh, wenn Weih­nach­ten vor­bei ist oder wenn es den Fei­er­tag gar nicht erst ge­ben würde.

Ein selbst ge­koch­tes Essen

Wenn schon nicht die Stim­mung und die De­ko­ra­tion, ist we­nigs­tens das Es­sen weih­nächt­lich an­ge­haucht. «Nor­ma­ler­weise ko­che ich am 25. De­zem­ber je­weils selbst. In die­sem Jahr wird das aber nicht im glei­chen Rah­men mög­lich sein, wie sonst auch», er­klärt Kern und schaut auf ihre Krü­cken. Ein Über­bleib­sel ih­rer Knie­ope­ra­tion von vor ein paar Wo­chen. Ihre «VIPs», wie Kern ihre Gäste lie­be­voll nennt, müs­sen aber trotz der kör­per­li­chen Ein­schrän­kung nicht auf sie ver­zich­ten. «Da sein werde ich auf je­den Fall. Das ist für mich selbst­ver­ständ­lich.» Wäh­rend im letz­ten Jahr Ra­gout nach Gross­mut­ter­art zu­be­rei­tet wurde, hat Kern für die­ses Jahr et­was an­de­res im Kopf: «Ich dachte, ich könnte mal wie­der ei­nen fest­li­chen Bra­ten ma­chen. Mit Bei­lage und al­lem, was da­zu­ge­hört.» Seit zwei Jah­ren ge­hö­ren auch Ge­schenke dazu. «Die Kir­che Wängi hat mich vor­letz­tes Jahr ge­fragt, ob sie für meine Gäste Prä­sente zu­sam­men­stel­len darf. Seit­her ist das schon fast zur Tra­di­tion ge­wor­den. Auch in die­sem Jahr wird es wie­der ei­nen Ga­ben­tisch ge­ben», be­rich­tet Kern er­freut. An­ders als in vie­len Fa­mi­lien üb­lich, wer­den keine teu­ren Dinge wie Lap­tops oder Kon­so­len ver­schenkt. Viel­mehr sind es Sa­chen, die die Men­schen am Exis­tenz­mi­ni­mum gut ge­brau­chen kön­nen. Laut Kern ist aber die Freude über diese Prä­sente je­des Jahr un­er­mess­lich gross: «Meis­tens er­hal­ten meine ‹VIPs› Dusch­gel, Bo­dy­lo­tion oder Ra­sier­schaum. Es hat schon Freu­den­trä­nen ge­ge­ben, weil die Gäste so ge­rührt wa­ren.» In die­sem Jahr dür­fen sich die Be­su­cher der Gas­sen­kü­che so­gar über ein zwei­tes Ge­schenk freuen. Eine nam­hafte Au­to­ga­rage aus Frau­en­feld hat sich näm­lich be­reit­er­klärt, die Kos­ten für das Es­sen an Weih­nach­ten zu über­neh­men. Aus­ser­dem dür­fen Gäste für ein­mal ihre Freunde oder Fa­mi­li­en­mit­glie­der mit­brin­gen. So wird ih­nen die­ser Tag we­nigs­tens ein biss­chen er­träg­li­cher ge­macht. Auch Kern ver­sucht ihr Bes­tes, wie sie zum Schluss er­klärt: «Weih­nach­ten ist eine schwie­rige Zeit für meine Gäste. Mit mei­nem Es­sen und gu­ter Stim­mung ver­su­che ich, sie ein biss­chen da­von abzulenken.»

Gut zu wissen

Die Gas­sen­kü­che Frau­en­feld ist am Mon­tag, 25. De­zem­ber wie üb­lich ge­öff­net. Da­für bleibt das Re­stau­rant am Mitt­woch vor­her und nach­her ge­schlos­sen. Ein­ge­la­den sind alle, die am Exis­tenz­mi­ni­mum le­ben oder AHV oder IV mit Er­gän­zungs­leis­tung be­an­tra­gen und Weih­nach­ten nicht al­leine ver­brin­gen wol­len. Es­sen gibt es ab 11.30 Uhr, Gäste dür­fen auch schon vor­her kom­men. js


Die Hemmschwelle ist immer noch gross…

Veröffentlicht am 20. Okt. 2017 von

B640x427mer­eits seit sie­ben Jah­ren bie­tet die Gas­sen­kü­che für Für­sor­ge­emp­fän­ger und Per­so­nen mit Er­gän­zungs­leis­tun­gen wö­chent­lich ein 4-Gang-Menü für nur drei Fran­ken an. Weil die Hemm­schwelle laut der Haupt­in­iti­an­tin San­dra Kern je­doch noch im­mer gross ist, wer­den jetzt neue Prio­ri­tä­ten gesetzt.

Frau­en­feld Sie macht ei­nen ver­las­se­nen Ein­druck an die­sem Frei­tag­nach­mit­tag: Die Gas­sen­kü­che mit­ten im Her­zen von Frau­en­feld, wo be­reits seit sie­ben Jah­ren un­ter an­de­rem Per­so­nen mit Er­gän­zungs­leis­tun­gen ein­mal wö­chent­lich be­kocht wer­den. «Am Mitt­woch sind je­weils bis zu sech­zig Gäste hier, die un­ser An­ge­bot nut­zen und ein selbst­ge­koch­tes Menü für nur drei Fran­ken ge­nies­sen», er­klärt die Lei­te­rin der Gas­sen­kü­che San­dra Kern mit ei­nem Lä­cheln. Zu­sam­men mit ih­rem Team ist sie stets um das Wohl ih­rer Gäste oder, wie Kern sie gerne nennt, «VIPs» be­sorgt und hat bei ih­nen eine Art zweite Fa­mi­lie gefunden.

«Der Schritt aus der An­ony­mi­tät fällt schwer»

Doch seit ei­ni­ger Zeit trübt eine un­güns­tige Ent­wick­lung das sonst so son­nige Ge­müt der Met­ten­dor­fe­rin. «Mich be­schäf­tigt schon et­was län­ger, dass viel mehr Per­so­nen mit Er­gän­zungs­leis­tun­gen bei uns es­sen könn­ten», er­klärt Kern mit ei­nem nach­denk­li­chen Blick zu den lee­ren Ti­schen. «Po­ten­zi­elle Gäste» gäbe es in Frau­en­feld mehr als ge­nug, vie­len würde aber der Mut feh­len, dem Re­stau­rant ei­nen Be­such ab­zu­stat­ten. «Per­so­nen, die AHV oder IV be­zie­hen und am Exis­tenz­mi­ni­mum le­ben, wa­gen sich häu­fig nicht aus der An­ony­mi­tät her­aus. Das ist sehr schade, da wir doch ei­gent­lich ge­nug Platz hät­ten.» Vor nicht allzu lan­ger Zeit wurde näm­lich so­gar ein zwei­ter Raum für die «VIPs» dazugemietet.

Prio­ri­tä­ten setzen

Um mehr Per­so­nen am Exis­tenz­mi­ni­mum zu er­mu­ti­gen, den Schritt aus der Ein­sam­keit zu wa­gen, möchte Kern nun die Prio­ri­tä­ten neu set­zen. «Mir ist auf­ge­fal­len, dass im­mer mehr Mu­si­ker, die sich zeit­weise in der Schweiz auf­hal­ten, zum Es­sen her­kom­men. Selbst­ver­ständ­lich sind auch sie herz­lich will­kom­men, ich möchte den Fo­kus aber auf Per­so­nen rich­ten, die aus der Schweiz sind», er­klärt Kern. Für die Gäste sei es un­be­frie­di­gend, wenn sie beim Ein­tre­ten nur volle Ti­sche se­hen wür­den. «Ich würde mich sehr freuen, wenn sich mehr Per­so­nen am Exis­tenz­mi­ni­mum, die in der Re­gion woh­nen, zu uns ge­sel­len wür­den. Mu­si­ker dür­fen auch her­kom­men, aber ein­fach ein biss­chen spä­ter, so­dass Per­so­nen aus der Schweiz zu­erst es­sen können.»

Ja­nine Senn­hau­ser, TG Nach­rich­ten, 05.10.2017


Weihnachten ist in der Gassenküche ganz weit weg, Lui Eigenmann TG-Nachrichten, Dezember 2015

Veröffentlicht am 24. Dez. 2015 von

Ob­wohl der 25. De­zem­ber kein Mitt­woch ist, öff­net die Gas­sen­kü­che in die­sem Jahr seine Tü­ren. An Weih­nach­ten selbst
ist für viele der Gäste aber den­noch nicht zu denken.

Frau­en­feld Weih­nachts­schmuck auf den Ti­schen oder an den Fens­tern sucht man in der Frau­en­fel­der Gas­sen­kü­che auch acht Tage vor Hei­lig­abend ver­ge­bens. Ein­zig ein paar Tee­lich­ter auf den Ti­schen strah­len ein we­nig Wärme aus. Mehr sei nicht ge­wünscht, klärt San­dra Kern, Lei­te­rin der Gas­sen­kü­che, auf: «Viele mei­ner Gäste ha­ben keine gu­ten Er­in­ne­run­gen an die Weih­nachts­zeit oder ver­mis­sen ei­nen An­ge­hö­ri­gen. Wir vom Gassenküchen-Team ha­ben darum be­schlos­sen, dass Weih­nach­ten draus­sen blei­ben muss.»

Eine grosse Fa­mi­lie
Ver­misst wird das La­metta auch am Stamm­tisch nicht, da sit­zen am ver­gan­ge­nen Mitt­woch Jo­landa, Agnes, Marco und Bruno ge­rade beim Mit­tag­es­sen. Es gibt Reis mit Pou­let und Erb­sen, dazu eine Brot­suppe und Sa­lat. Die Stim­mung ist gut bei der Vie­rer­gruppe. Der Mitt­woch sei der schönste Tag der Wo­che, so Jo­landa nach­denk­lich: «Für mich sind San­dra Kern und ihr Team En­gel. Wir alle dür­fen hier Wo­che für Wo­che, wie in ei­ner gros­sen Fa­mi­lie ein paar schöne Stun­den ver­brin­gen, da­bei wer­den wir auch noch be­dient wie in ei­nem Re­stau­rant. So et­was gibt es wohl nur in Frau­en­feld.
» Das kleine Grüpp­chen am Stamm­tisch ist eine ein­ge­schwo­rene Truppe, man ist über die Jahre zu Freun­den ge­wor­den, küm­mert sich um­ein­an­der und trifft sich auch ein­mal zum Spiel­nach­mit­tag bei Agnes im 7. Stock. Alle sind sie be­reits
seit meh­re­ren Jah­ren Gäste in der Gas­sen­kü­che und alle ha­ben sie eine schwie­rige Ge­schichte. Agnes, die beste Freun­din von Jo­landa, macht dar­aus kei­nen Hehl: «Ich lebe am Exis­tenz­mi­ni­mum, da bin ich na­tür­lich froh, wenn ich ein­mal in
der Wo­che für nur 3 Fran­ken ein Menü be­komme.» Die auf­ge­stellte Dame mit der sil­ber­far­be­nen Brille auf der Nase ist meist als erste in der Gas­sen­kü­che, oft bringt sie et­was selbst ge­mach­tes mit, so auch an die­sem Mitt­woch. In kleine Gläs­chen hat sie fri­sche Quit­ten­kon­fi­türe abgefüllt.

Viele An­mel­dun­gen für den Weih­nachts­tag
In die­sem Jahr be­ginnt San­dra Kern mit ei­ner neuen Tra­di­tion. Sie öff­net zu­sam­men mit ih­rem Team die Gas­sen­kü­che an Weih­nach­ten. «Viele Gäste sind an Weih­nach­ten al­leine, da­mit ih­nen nicht die De­cke auf den Kopf fällt, be­rei­ten wir
ein Fest­mahl zu», so die Lei­te­rin der Gas­sen­kü­che. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch konnte man sich erst­mals für die­sen Tag an­mel­den. Die Ta­lons, die auf den Ti­schen be­reit la­gen, füll­ten sich schnell. 50 wer­den si­cher kom­men, schätzt Kern.
Mit da­bei sein wird auch Bruno vom Stamm­tisch, er hat sei­nen Na­men gleich ein­ge­tra­gen, auch wenn zu die­sem ho­hen Fei­er­tag in der Gas­sen­kü­che nicht de­kor­tiert wird.

16 aus­ge­setzte Hüh­ner wer­den zum Fest­mahl
Vor we­ni­gen Wo­chen setzte ein 23–jähriger Schwei­zer in Hap­pers­wil 150 Mast­hüh­ner aus. Bei den Tie­ren han­delte es sich um so­ge­nannte Mast­pou­lets. Eine Schlach­tung war auf­grund der Ge­ne­tik, die Tiere müs­sen in­ner­halb von fünf Wo­chen die
Schlachtreife er­rei­chen, un­ver­meid­bar. Krank wa­ren die Tiere nicht. Nun lan­den 16 der Hüh­ner am 25. De­zem­ber auf den Tel­lern der Gas­sen­kü­che und wer­den zum Fest­mahl. Auf die Idee kam das Ve­te­ri­när­amt, wel­ches di­rekt bei der Gas­sen­kü­che anfragte.


Gassenküche am 25. Dezember offen

Veröffentlicht am 21. Dez. 2013 von
18.12.2013

Zu­sam­men mir ih­rer Toch­ter Sa­lome kocht San­dra Kern, Grün­de­rin der Gas­sen­kü­che für die Gäste am Weih­nachts­tag ein ganz be­son­ders Menü.

Erst­mals ver­pfleg­ten sich über 60 Gäste am ver­gan­ge­nen Mitt­woch in der Gas­sen­kü­che. Die Grün­de­rin San­dra Kern, freut sich über den an­hal­ten­den Zu­lauf: «Da sich je­den Mitt­woch im­mer mehr Gäste in der Gas­sen­kü­che ver­pfle­gen, stell­ten wir am 27. No­vem­ber ei­nen neun­ten Tisch auf. Hät­ten wir ei­nen wei­te­ren Tisch ge­deckt, wäre auch der be­setzt ge­we­sen. So muss­ten sich un­sere Gäste auf ei­nen frei­wer­den­den Platz ge­dul­den.» Auf gros­sen Wunsch ih­rer Gäste öff­net San­dra Kern die Tü­ren da­her auch am 25. De­zem­ber. Die Gäste er­war­tet wie im­mer eine helle und herz­li­che At­mo­sphäre. Für Für­sor­ge­emp­fän­ger und Men­schen am Exis­tenz­mi­ni­mum hat die Gas­sen­kü­che je­den Mitt­woch von 11.30 bis 13 Uhr an der Gra­ben­strasse 12 ge­öff­net. Lui Ei­gen­mann, Thur­gauer Nachrichten


Stück Geborgenheit für drei Franken

Veröffentlicht am 27. Dez. 2011 von


Zur  Weih­nachts­zeit er­fah­ren är­mere Men­schen ver­mehrt Un­ter­stüt­zung. In der Gas­sen­kü­che ste­hen Hilfs­be­dürf­tige das ganze Jahr über im Zen­trum. Ein  Be­such.

Von  Franco Brun­ner, «die Südostschweiz»

Frau­en­feld. – Es herrscht al­les an­dere als win­ter­li­che und vor­weih­nacht­li­che Stim­mung an die­sem trü­ben Mitt­woch in Frau­en­feld. Der Haupt­ort des Thur­gaus zeigt sich von sei­ner ver­reg­ne­ten und kal­ten Seite. Weih­nachts­stim­mung ver­brei­tet höchs­tens die de­zente Ster­nen­de­ko­ra­tion, die ein paar Bäume an den Stras­sen schmückt. Und viel­leicht noch der Mann mit dem Ak­kor­deon, der vor ei­ner Ein­kaufs­pas­sage un­mit­tel­bar beim Christbaum-Verkaufsstand «O Tan­nen­baum» und «Stille Nacht» an­stimmt. Auch ge­gen­über dem Ein­kaufs­zen­trum deu­tet auf den ers­ten Blick nichts dar­auf hin, dass das hei­lige Christ­fest be­vor­steht. Das un­schein­bare, graue Haus macht nur durch den dün­nen, lan­gen Ka­min, aus dem weis­ser Rauch em­por­steigt, auf sich auf­merk­sam. Bei nä­he­rer Be­trach­tung ist zu­dem ein klei­ner Zet­tel auf der gros­sen Ein­gangs­türe aus­zu­ma­chen. «Gas­sen­kü­che Frau­en­feld: ge­öff­net je­den Mitt­woch von  11.30 bis 13 Uhr. Herz­lich  Willkommen!»

Weih­nacht­li­che Stimmung

Beim Ein­tritt in die Gas­sen­kü­che steigt ei­nem um­ge­hend ein Ap­pe­tit ma­chen­der Duft in die Nase. Nach dem kur­zen, aber stei­len Gang die enge Treppe hin­auf wird klar, wo­her die­ser Wohl­ge­ruch kommt. In der klei­nen Kü­che wird em­sig ge­kocht, und aus den Töp­fen dampft und zischt es. «Will­kom­men in der Stube», sagt eine freund­lich wir­kende Dame mit ei­nem an­ste­cken­den La­chen. Es ist San­dra Kern, In­iti­an­tin und Ge­schäfts­füh­re­rin der Gas­sen­kü­che. Sie ist ge­rade daran, die Ti­sche im klei­nen Saal weih­nacht­lich zu de­ko­rie­ren. Ker­zen, Tisch­tü­cher mit Ster­nen­mus­ter, di­verse Tan­nen­zweige so­wie ein paar kleine Stro­hen­gel­chen ver­brei­ten eine warme At­mo­sphäre im Raum. «Heute gibt es auch noch ein klei­nes Ge­schenk für un­sere Gäste», sagt Kern und zeigt auf die Pa­pier­herz­chen von der Heils­ar­mee mit Zünd­höl­zern drin. «So kön­nen sich die Gäste zu­hause ihre Zi­ga­ret­ten oder ihre Ker­zen an­zün­den.» Die Idee zur Gas­sen­kü­che ent­stand im Rah­men ih­rer Di­plom­ar­beit zur So­zi­al­ma­na­ge­rin, wie Kern er­zählt. «Ich hatte mit leich­tem Er­stau­nen fest­ge­stellt, dass es hier in der Re­gion noch nichts Ähn­li­ches gab und habe da­nach eine Markt­ana­lyse er­stellt. Wir setz­ten uns ei­nen Zeit­raum von ei­nem hal­ben Jahr und rech­ne­ten bei der Er­öff­nung mit zehn bis 15 Gäs­ten», er­in­nert sich Kern. Ge­kom­men seien aber schon da­mals, vor mitt­ler­weile über ei­nem Jahr, rund 30 Gäste, was in etwa dem heu­ti­gen Durch­schnitt entspreche.

Herz­li­cher Empfang

«Gäste», so nennt Kern die Be­su­cher der Gas­sen­kü­che. «Die Gas­sen­kü­che ist ein Re­stau­rant für Rand­stän­dige, dem­ent­spre­chend wol­len wir die Men­schen, die zu uns kom­men,
auch wie ganz nor­male Re­stau­rant­gäste be­han­deln», er­klärt sie. So ganz nor­mal scheint das Ver­hält­nis zwi­schen Wir­tin und ih­ren Kun­den dann aber doch nicht zu sein, wie sich kurz nach 11 Uhr her­aus­stellt, als die ers­ten Gäste die Gas­sen­kü­che be­tre­ten. Denn solch ei­nen herz­li­chen Emp­fang wie hier er­lebt man wohl in kei­nem «ge­wöhn­li­chen» Re­stau­rant. Die meis­ten Be­su­cher wer­den mit Na­men be­grüsst, für ein­zelne gibt es so­gar noch eine Um­ar­mung von der Che­fin. «Klar, man kennt sich mitt­ler­weile, und ich freue mich im­mer wie­der auf das Wie­der­se­hen», sagt Kern.

«Je­der geht satt vom Tisch»

Zur Gassenküche-Stammkundschaft ge­hö­ren Men­schen, die am Exis­tenz­mi­ni­mum le­ben. Die Mehr­heit da­von ist al­lein­ste­hend. Wie zum Bei­spiel die bei­den Da­men, die an Tisch Num­mer 3 sit­zen. Sie kä­men schon seit der Er­öff­nung der Gas­sen­kü­che hier­her, sagt die 56-jährige Els­beth Küenzle. «Ich freue mich je­des Mal auf den Mitt­woch», er­gänzt ihre Kol­le­gin Agnes Graf la­chend. Die 65-Jährige ist jede Wo­che aufs Neue ver­blüfft, dass die Ver­ant­wort­li­chen mit und für so we­nig Geld so et­was Gu­tes auf den Tisch zau­bern kön­nen. «Und das Tolle da­bei ist, je­der geht satt vom Tisch», sagt Graf. In der Tat lässt es sich se­hen, was die Gassenküche-Gäste für drei Fran­ken er­hal­ten. An die­sem Tag hat das Kü­chen­team um Matt Su­re­mann ei­nen Sa­lat, eine Griess­suppe so­wie ei­nen Bra­ten mit Kar­tof­fel­stock, Rüe­bli und Ro­sen­kohl zu­be­rei­tet. Die Le­bens­mit­tel hier­für wur­den von der Schwei­zer Ta­fel zur Ver­fü­gung ge­stellt. Nach­schöp­fen so­wie Ge­tränke sind im Preis in­klu­sive – und wenn am Schluss noch et­was üb­rig bleibt, kön­nen es die Gäste gar un­ent­gelt­lich mit nach Hause neh­men. Heute kom­men, so­zu­sa­gen als vor­weih­nacht­li­che Prä­sente, so­gar noch eine Jo­ghurt­creme als Des­sert und die von ei­ner Frau­en­fel­der Ober­stu­fen­schule ge­mach­ten Guetsli hinzu.

Wie­der­se­hen in ei­ner Woche

An die­sem Tag hat das Gassenküche-Team an die 40 Gäste ver­kös­tigt und ih­nen zu­dem in der kal­ten Vor­weih­nachts­zeit ein we­nig Wärme und Ge­bor­gen­heit ge­bo­ten. Um 13 Uhr schliesst die Kü­che, und das Team um San­dra Kern macht sich an die Auf­räum­ar­bei­ten. Der­weil ge­hen die Gäste wie­der ih­rer Wege. Ei­ner der letz­ten, der auf­bricht, ist der Akkordeon-Mann, der sich, wie er sagt, nun wie­der in der Ein­kaufs­pas­sage ein­rich­ten werde. Wie wohl die meis­ten an­de­ren Gäste auch, wird er mit gros­ser Wahr­schein­lich­keit am nächs­ten Mitt­woch er­neut in der Gas­sen­kü­che an­zu­tref­fen sein und von Kern und ih­rer Mann­schaft ge­wohnt herz­lich emp­fan­gen werden.


«Allein zu sein ist schlimm»

Veröffentlicht am 15. Dez. 2011 von

Be­such in der Gas­sen­kü­che zur Vorweihnachtszeit

Das Team der Gas­sen­kü­che sorgt im­mer für gute Stimmung.

Weih­nachts­zeit in der Gassenkü­che Frau­en­feld. Wer denkt es herrscht zu die­ser be­sinn­li­chen Zeit be­drückte Stim­mung hat sich ge­irrt – wir wa­ren zu ei­ner Por­tion Älp­ler­ma­gro­nen mit Speck eingeladen.

Ein süss­li­cher Duft zieht durch das Ge­bäude an der Gra­ben­strasse in Frau­en­feld. Es wird ge­kocht. Drei Fran­ken für Suppe, Sa­lat, Älp­ler­ma­gro­nen und ein Stück Ku­chen zum Des­sert. Ge­gen 40 Für­sor­ge­emp­fän­ger und Men­schen am Exis­tenzminimum ha­ben am letz­ten Mitt­woch den Weg in die Institu­tion ge­fun­den. Kurz nach 12 Uhr herrscht Hoch­be­trieb in der Gas­senküche. Die ers­ten ge­hen, die nächs­ten kom­men, da­zwi­schen ba­lancieren die Köchinnen.

Weih­nach­ten ist kein gros­ses Thema. Ich machte die Runde und setzte mich zu den Gäs­ten. Viele ha­ben et­was ge­mein­sam: Sie le­ben al­lein, und sie es­sen meis­tens al­lein. Trotz­dem finde ich schnell ins Ge­spräch. «Weih­nach­ten wird über­be­wer­tet, bes­ser man würde auch un­ter dem Jahr die schö­nen Er­leb­nisse fei­ern, als den Fo­kus nur auf die Weihnach­ten zu le­gen», er­klärt mir ein äl­te­rer Herr wäh­rend er ge­nüss­lich den fri­schen Sa­lat ver­zehrt. «Wir sind hier der harte Kern», tönt es vom ande­ren Ende des Ti­sches. «Wir kom­men als erste und ge­hen im­mer als letz­te. Die Gas­sen­kü­che ist uns enorm wich­tig, denn sonst kommt es we­gen dem fi­nan­zi­el­len nicht in Frage aus­wärts zu Es­sen». An­ge­spro­chen auf die an­ste­hende Weih­nachts­zeit wer­den die Gäste we­ni­ger red­se­lig, was der aus­ge­zeich­ne­ten Stim­mung in der Gas­sen­kü­che aber kei­nen Dämp­fer ver­setzt. Viele sind an Weih­nach­ten bei Ver­wand­ten oder der Fa­mi­lie, an­dere wie­derum fei­ern ge­mein­sam mit ih­ren Kat­zen, doch so rich­tig wich­tig scheint die Weih­nach­ten nicht zu sein. «Es ist noch ein we­nig früh», ver­mu­tet  San­dra Kern, In­iti­an­tin der Frauen­felder Gas­sen­kü­che. «Je nä­her die Weih­nachts­tage kom­men, umso sen­si­bler wird das Thema». Auf den Ti­schen ste­hen kleine Säck­chen mit fri­schen «Guätzli», ge­spon­sert von Pri­vat­leu­ten aus der Stadt, trotz­dem, von Weih­nach­ten ist in der Gas­sen­kü­che nicht viel zu spü­ren. «Wir re­den hier über al­les Mög­li­che, doch die Weih­nach­ten sind kein gros­ses Thema. Viele auch wol­len wäh­rend dem Es­sen gar nicht ge­stört wer­den», ver­rät eine jün­gere Dame wäh­rend dem Dessert.

Ein­la­dung auf Schloss Klin­gen­berg: Ste­fan Pfan­zelt, Pa­tron des Schlos­ses lädt die Gas­sen­kü­che am 28. De­zember schon zum zwei­ten Mal zum Es­sen ein, die­ses Jahr zum ers­ten Mal für ein Weih­nachts­es­sen. Laut San­dra Kern ist die Teilneh­merliste lang: «Da kommt be­stimmt Weih­nacht­li­ches Flair auf».

Thur­gauer Nach­rich­ten, Bild und Text: Lui Eigenmann

 


Thurgauer Nachrichten:
Morgen ist Eröffnung

Veröffentlicht am 26. Okt. 2010 von

Die erste Gas­sen­kü­che im Kan­ton Thur­gau öff­net mor­gen um 11.30 Uhr in Frau­en­feld ihre Türen

Nach meh­re­ren Mo­na­ten der Pla­nung und Realisie­rung öff­net Mor­gen Mitt­woch, 27. Ok­to­ber 2010 um 11.30 Uhr in Frau­en­feld an der Gra­ben­strasse 12 die erste Gas­sen­kü­che im Kan­ton Thur­gau ihre Türen.

San­dra Kern, Hauptverantwort­liche und In­iti­an­tin des Pro­jekts «Gas­sen­kü­che Frau­en­feld», zeigt sich kurz vor der Er­öff­nung er­freut, dass es end­lich los ge­hen kann: «Wir sind wirk­lich be­reit die Gas­senküche Mor­gen zu er­öff­nen, die erste Lie­fe­rung der Nahrungsmit­tel ist be­reits ein­ge­trof­fen. Natür­lich bin ich auch ein biss­chen ner­vös und ge­spannt, wie das ganze Pro­jekt an­kommt und wie viel An­klang es fin­den wird. Ich bin je­doch gu­ter Dinge, da ich schon sehr viele Po­si­tive Feed­backs ent­gegennehmen durfte».

 wei­ter­le­sen… »


Thurgauer Zeitung:
Frauenfeld bekommt Gassenküche

Veröffentlicht am 4. Okt. 2010 von
In knapp ei­nem Mo­nat öff­net an der Gra­ben­strasse 12 in Frau­en­feld die erste Gas­sen­kü­che ihre Tore. Auch die Stadt zeigt sich er­freut über das Pro­jekt, wel­ches auf ei­ner pri­va­ten In­itia­tive gründet.

Das Gas­sen­kü­che­team: Su­sanne von Nie­der­häu­ser, Jo­landa von Sie­ben­tal, Cora Ba­dert­scher, Jac­que­line Roth, Sa­lome Kern, San­dra Kern und Ma­rion Bru­de­rer (Matt Su­re­mann und Mo­nika Fi­scher feh­len), ist ab dem 27. Ok­to­ber in Frau­en­feld. (Bild: Do­nato Caspari)

Spätzli-Gratin mit Sa­lat, Suppe und Tee für ge­rade mal drei Fran­ken statt Ham­bur­ger, Pom­mes und Cola. Das will die erste Thur­gauer Gas­sen­kü­che ab dem 27. Ok­to­ber in Frau­en­feld an­bie­ten. In Zu­kunft soll sich das Tor am ehe­ma­li­gen Thurdruck-Gebäude an der Gra­ben­strasse 12 je­den Mitt­woch um 11.30 Uhr öff­nen. In den hel­len Räum­lich­kei­ten im ers­ten Ober­ge­schoss ha­ben 50 Leute Platz. wei­ter­le­sen… »

Thurgauer Nachrichten:
Das Datum steht

Veröffentlicht am 14. Sep. 2010 von
Am 27. Ok­to­ber öff­net die Gas­sen­kü­che Frau­en­feld zum ers­ten Mal ihre Türen
Vor we­ni­gen Wo­chen be­rich te­ten wir über die Er­öff­nung der ers­ten Gas­sen­kü­che im Thur­gau in Frau­en­feld. Nun steht fest wann die In­sti­tu­tion an der Gra­ben­strasse 12 ihre Tü­ren das erste Mal öff­net, es wird der 27. Ok­to­ber sein.

Vor­läu­fig wird in der Gas­sen­kü­che Frau­en­feld an der Gra­ben­strasse je­weils am Mitt­woch von 11.30 bis 13 Uhr eine warme Mahl­zeit an ge­bo­ten. Für die Teil­nahme müs sen sich Für­sor­ge­emp­fän­ger und Men­schen mit ei­nem Exis­tenzmi ni­mum nicht an­mel­den son­dern kön­nen spon­tan vor­bei schauen. Für ein Mit­tag­es­sen in­klu­sive Suppe, Sa­lat und Ge­tränk be­zah len Gäste ab 16 Jah­ren drei Fran ken. Me­nü­über­schüsse kön­nen un ent­gelt­lich mit nach Hause ge­nom men wer­den. wei­ter­le­sen… »

Thurgauer Nachrichten:
Eine Gassenküche für Frauenfeld

Veröffentlicht am 31. Aug. 2010 von

In Frau­en­feld öff­net Ende Ok­to­ber die erste Gas­sen­kü­che im Kan­ton Thur­gau ihre Tü­ren
Die mo­nat­li­chen Bei­träge, die So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ger von so­zia­len Diens­ten be­kom men, rei­chen nur knapp für de­ren Le­bens­un­ter­halt. Ein Mit­tag­es­sen in ei­nem Re­stau­rant liegt für diese Mit men­schen in wei­ter ferne.

Kos­tet doch ein Mit­tag­es­sen in ei­nem Re­stau­rant ei­nes Gross­ver tei­lers in Frau­en­feld, wie zum Bei spiel Mi­gros oder Coop zwi­schen 10.50 Fran­ken und 17.50 Fran ken, was ein all­täg­li­cher Be­such aus Kos­ten­grün­den ver­un­mög­licht. Für ei­nen Dö­ner oder ein Menü bei Mc Do­nalds zahlt man zwar meist we­ni­ger, ma­chen diese Mahl­zei­ten je­doch meist auf die Dauer nicht satt.

Be­son­ders junge Er­wach­sene und Al­lein­ste­hende Für­sor­ge­emp­fän­ger ko­chen sel­ten für sich sel­ber, weil ih­nen die Sicht und die Lust da­für feh­len. Zu­dem ma­chen sie er­fah rungs­ge­mäss eher we­nig Ge­dan ken über das Es­sen und die Wich­tigkeit darum. «Ein Ort zu schaf fen, an dem für we­nig Geld sätti gend und ge­sund ge­ges­sen wer­den kann, ist darum ein Be­dürf­nis», er klärt uns die Haupt­ver­ant­wortli che San­dra Kern. «Da das Pro­jekt Gas­sen­kü­che Frau­en­feld in sei­ner Art und Weise und mit sei­nen aus ser­or­dent­lich güns­ti­gen Prei­sen im Kan­ton Thur­gau ein­zig­ar­tig ist, füllt es eine enorm wich­tige Markt lü­cke », wie uns San­dra Kern wei ter er­klärt. wei­ter­le­sen… »