Die Hemmschwelle ist immer noch gross…

Veröffentlicht am 20. Okt. 2017 von

B640x427mer­eits seit sie­ben Jah­ren bie­tet die Gas­sen­kü­che für Für­sor­ge­emp­fän­ger und Per­so­nen mit Er­gän­zungs­leis­tun­gen wö­chent­lich ein 4-Gang-Menü für nur drei Fran­ken an. Weil die Hemm­schwelle laut der Haupt­in­iti­an­tin San­dra Kern je­doch noch im­mer gross ist, wer­den jetzt neue Prio­ri­tä­ten gesetzt.

Frau­en­feld Sie macht ei­nen ver­las­se­nen Ein­druck an die­sem Frei­tag­nach­mit­tag: Die Gas­sen­kü­che mit­ten im Her­zen von Frau­en­feld, wo be­reits seit sie­ben Jah­ren un­ter an­de­rem Per­so­nen mit Er­gän­zungs­leis­tun­gen ein­mal wö­chent­lich be­kocht wer­den. «Am Mitt­woch sind je­weils bis zu sech­zig Gäste hier, die un­ser An­ge­bot nut­zen und ein selbst­ge­koch­tes Menü für nur drei Fran­ken ge­nies­sen», er­klärt die Lei­te­rin der Gas­sen­kü­che San­dra Kern mit ei­nem Lä­cheln. Zu­sam­men mit ih­rem Team ist sie stets um das Wohl ih­rer Gäste oder, wie Kern sie gerne nennt, «VIPs» be­sorgt und hat bei ih­nen eine Art zweite Fa­mi­lie gefunden.

«Der Schritt aus der An­ony­mi­tät fällt schwer»

Doch seit ei­ni­ger Zeit trübt eine un­güns­tige Ent­wick­lung das sonst so son­nige Ge­müt der Met­ten­dor­fe­rin. «Mich be­schäf­tigt schon et­was län­ger, dass viel mehr Per­so­nen mit Er­gän­zungs­leis­tun­gen bei uns es­sen könn­ten», er­klärt Kern mit ei­nem nach­denk­li­chen Blick zu den lee­ren Ti­schen. «Po­ten­zi­elle Gäste» gäbe es in Frau­en­feld mehr als ge­nug, vie­len würde aber der Mut feh­len, dem Re­stau­rant ei­nen Be­such ab­zu­stat­ten. «Per­so­nen, die AHV oder IV be­zie­hen und am Exis­tenz­mi­ni­mum le­ben, wa­gen sich häu­fig nicht aus der An­ony­mi­tät her­aus. Das ist sehr schade, da wir doch ei­gent­lich ge­nug Platz hät­ten.» Vor nicht allzu lan­ger Zeit wurde näm­lich so­gar ein zwei­ter Raum für die «VIPs» dazugemietet.

Prio­ri­tä­ten setzen

Um mehr Per­so­nen am Exis­tenz­mi­ni­mum zu er­mu­ti­gen, den Schritt aus der Ein­sam­keit zu wa­gen, möchte Kern nun die Prio­ri­tä­ten neu set­zen. «Mir ist auf­ge­fal­len, dass im­mer mehr Mu­si­ker, die sich zeit­weise in der Schweiz auf­hal­ten, zum Es­sen her­kom­men. Selbst­ver­ständ­lich sind auch sie herz­lich will­kom­men, ich möchte den Fo­kus aber auf Per­so­nen rich­ten, die aus der Schweiz sind», er­klärt Kern. Für die Gäste sei es un­be­frie­di­gend, wenn sie beim Ein­tre­ten nur volle Ti­sche se­hen wür­den. «Ich würde mich sehr freuen, wenn sich mehr Per­so­nen am Exis­tenz­mi­ni­mum, die in der Re­gion woh­nen, zu uns ge­sel­len wür­den. Mu­si­ker dür­fen auch her­kom­men, aber ein­fach ein biss­chen spä­ter, so­dass Per­so­nen aus der Schweiz zu­erst es­sen können.»

Ja­nine Senn­hau­ser, TG Nach­rich­ten, 05.10.2017


Kommentare sind geschlossen.